China

Barbara Lange

Nicht kleckern…

17.04.2024

In Shaoxing ist das Wetter immer noch fürchterlich. Der Dauernebel hat sich immer noch nicht gelichtet. Es hat um die 14 Grad und alles ist leicht feucht. Ich bin im Endeffekt nur den Samstag hier und möchte die Zeit nutzen, noch ein paar Bilder anzufertigen, die Sammi für die Werbung für unseren Workshop im Mai braucht. Um richtig fotografieren zu können, brauche ich einen vernünftigen Stoff als Hintergrund. Den finde ich in dem riesigen Stofflager so leider nicht. Aber Hausmeister Jin bietet mir an, dass wir gemeinsam färben können. Na das sind ja mal Aussichten! In einem kleinen Nebenraum, den ich bisher noch gar nicht gesehen hatte, stehen Fässer mit angesetzter Farbe. Ich beschließe, einen Farbverlauf zu färben. Jin hilft mir dabei, den 4 m langen Stoff immer nur Stück für Stück in das Fass einzutauchen. Außerdem hat er jetzt zu seinen vielen Aufgaben auch noch die Rolle des Haus- und Hof-Fotografen dazu bekommen.

Wir färben in zwei Durchgängen. Dass der Stoff überhaupt trocken wird wundert mich. Kurz bevor Jin Feierabend hat, nageln wir den Stoff an eine Wand im Hof, damit wir die Bilder für Sammi machen können. Dieses Atelier ist bestimmt nicht so wahnsinnig Instagram-fähig. Aber es hat den Vorteil, dass man spontan eigentlich jede Aufgabe erledigen kann, die einem so in den Kopf schießt. Das bisschen Farbe mitten auf dem Hof und die Löcher in der Wand interessieren keinen Menschen. Es ist außerdem sehr familiär. Sammi bringt am Samstag ihren Sohn mit in die Arbeit, weil sie ja eine 6-Tage-Woche hat und er Hilfe bei den Hausaufgaben braucht. Mittags lädt sie mich zum Essen ein, vermutlich mit dem Hintergedanken, dass ihr Sohn auf die Weise Gelegenheit bekommt, Englisch zu sprechen. Er lernt die englischen Vokabeln für Teenager und Mofa und ich die chinesischen Vokabeln für kleiner Hund. Sonntag in der Früh steht der treue Jin wieder vor meiner Hotelzimmertür, um meinen Koffer zum Auto zu bringen, das mich nach Ningbo fahren wird. Nach dem Wahnsinn der vergangenen Woche freue ich mich auf die Routine in Ningbo. Außerdem hoffe ich, dass es dort ein bisschen wärmer sein wird.

Bei der Ankunft schüttet es. Pang und ich gehen Mittagessen, um uns gegenseitig auf den neuesten Stand zu bringen. Pang lacht sich tot über die verschiedensten Planänderungen, die ich vergangene Woche erlebt habe. Sie meint, ich könnte mich jetzt in Ningbo erholen, wo der Stundenplan fest in seinen Schienen läuft. Aber auch sie hat schon wieder zwei Nachmittags-Termine für uns geplant und hat Ideen, wie wir das kommende Wochenende verbringen könnten. Das heißt also, dass ich Montag bis Mittwoch Zeit habe, um einen 3-tägigen Workshop für Dozenten vorzubereiten, den sie für die zweite Woche meines Aufenthalts im Kollegium angeboten hat. Nur damit es ganz klar ist: Ich soll den Kurs halten.  

Pang: „Du wirst es nicht für möglich halten, aber ich hatte bereits in den ersten zwei Stunden nach der Ankündigung 25 Anmeldungen.“
Ich: „Wow das ist eine Menge Holz.“
Sie: „Ja die Zahl hat sich dann aber noch aber auf 45 gesteigert.“
Ich schlucke.
Pang: „Keine Sorge! Ich nehme nicht alle!“
Ich: „Na, das ist ja eine Erleichterung! Wie vielen hast du eine Zusage gegeben?“
Sie: „43! Mehr Maschinen habe ich nicht!“
Na bravo. Schließen die an den drei Tagen die Schule oder wo holen die die vielen Lehrkräfte her? Aber sich einen Kopf machen bringt auch nichts.

Deswegen nutze ich aus, dass sich die Sonne zwischen den Wolken durchkämpft und mache am den Nachmittag erstmal für einen ausgiebigen Spaziergang im nahegelegenen Park. Grünanlagen haben sie hier unheimlich viele. Gefühlt gibt es an jeder Straßenecke ein kleiner Park. Dieser hier hat die Besonderheit dass er einen kleinen Leuchtturm und sogar einen Strand hat, an dem die Kinder buddeln können

Zum Schluss noch ein kurzer Besuch im Ningbobang Museum, das auf der anderen Straßenseite von meinem Hotel liegt. Wieder so ein Monumentalbau, diesmal den Stadtgründern der Stadt Ningbo gewidmet. Nicht kleckern sondern klotzen ist hier anscheinend überall die Devise